Pressetext Stadtgalerie Plochingen Oktober 2000 | Pressetext: Landart Schinkeler Hütten

September 1994

Magischer Feuerzauber wider den Herbstregen

Freies Künstlersymposium auf vier Hektar Ackerland

SCHINKELERHÜTTEN. Es ist jeweils eine lockere Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich alle zwei Jahre, auf den Feldern der Bioland Gemeinschaft Schinkel in Schinkelerhütten trifft, dort zwei Wochen lang erd- und naturverbunden lebt, arbeitet und schließlich die vielfältigen Ergebnisse künstlerischer Schaffensprozesse einem interessierten Publikum vorstellt.

Auch in diesem Jahr organisierten Bioland-Verwalter Dieter Pansegrau und seine und Lebensgefährtin Christa Fröhlich erneut ein Künstler-Symposium, an dem Maler, Bildhauer, Keramiker aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Portugal teilnahmen.
Die 13 Männer und Frauen schliefen 14 Nächte in Zelten,Schuppen und Ställen,

Die Hamburgerin Angela Preusz(..) hat ein Labyrinth aus Strohbündeln gepflanzt und (..) angezündet.
Eine Zeichnung aus Asche entsteht, grafische Linien in den Farben der Demeter auf dem satten Gruen des...
..jens rönnau KN v. 6.sept.1994
ernteten selber das Gemüse, das ihnen zwei Wochen lang Gemüseeintopf bescherte, spürten die sinkenden Temperaturen und die frühherbstliche Feuchtigkeit, den Regen hautnah und ließen sich sowohl von der ungewohnten Lebensweise wie der natürlichen Umgebung inspirieren.Auf rund vier Hektar Ackerland gab es bis in die letzte Knickecke alle erdenklichen Freiräume. Jeder
(...)Als unübertroffene "Oberzauberin" des Symposiums erschien Angela Preusz, belegte Bodenquadrate mit Magie und entzündete unter dumpfen Trommelklängen ein Strohlabyrinth.Feuerzauber, Vergänglichkeit, Asche im Wind, -da mag so mancher Zuschauer eine Gänsehaut verspürt haben. ..silvia meisner-zimmermann EZ v. 6.sept.1994

Angela Preuss legt Feuer an Ihr Strohlabyrinth
und brennt es nieder





Künstler hatte bald "seinen" Standort gefunden, das Stück Landschaft, das nach eigenem Ermessen, den geeigneten Arbeitsplatzlatz und optisch passenden Hintergrund für die zukünftigen Werke abgab. Alle Materialien und Zutaten fanden sich vor Ort, man mußte sich nur umschauen und sich von Vorhandenem anregen lassen. Ob es nun Feldsteine, Knickhölzer, Reuterstangen waren, oder Hanfseile, Sackleinen, Strohbüschel, die zur Weiterverabeitung, Neukombination, Sinnfindung oder Veränderung animierten,-es gab genug von allem. JedemKünstler blieb es nun Überlassen, das für ihn Adäquate herauszusuchen - und bildnerisch tätig zu werden. (...) Die Tatsache,daß im Boden auch Ton zu finden war,rief alle Keramiker auf den Plan.
Während Thomas Hirschler aus dem plastischen Material trichterähnliche Gebilde formte die rot gebrannt und, porös, zerbrechlich und in linearer Aneinanderreihung den Reiz der fragilen Verletzlichkeit und gleichzeitig Vergänglichkeit dokumentieren sollten, grub sich Anke Mueffelmann tief in den Ackerboden. Das Ergebnis war ein Erdofen, in dem,sie Hunderte von zierlichen Tonschalen 15 Stunden lang brannte. Sie bewerkstelligte dabei zwei Brände gleichzeitig und überraschte mit sehr unterschiedlichen Brandfarben:Die Überirdisch gebrannten Schälchen waren durch die Sauerstoffzufuhr rot, die unterirdisch gebrannten ascheschwarz vom Holzbrand. Die fertige Produktion folgte aneigandergereiht den Vertiefungen in den Ackerfurchen, erinnerte an Opfergefäße............